Die Geschichte des Jagdlichen Brauchtum In der langen kulturellen Entwicklung der Jagd, sind Bräuche entstanden, die großteils noch heute für den ´zünftigen Jäger´ kennzeichnend sind. Der Sinngehalt mancher Jägerbräuche wurzelt in grauer Vorzeit. So geht die achtungsvolle Einstellung gegenüber erlegtem Wild, die wir damit ausdrücken, das wir es mit Brüchen schmücken, vermutlich bis auf vorgeschichtlichen ´Jagdzauber´ zurück. Der größte Teil unseres Brauchtums sind aber handwerkliche Zunftbräuche, die sich erst bei den Berufsjägern der höfischen Zeit (17./18.Jahrhundert) in ihrer ganzen Vielfalt gefestigt haben. Das gilt vor allem für für die Jägersprache, die Bruchzeichen und die Jagdsignale, deren Anfänge wir zwar bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen können, die ihre heutige Form aber in der höfischen Berufsjägerei gefunden haben.
Seitdem hat auch das Brauchtum einen weiteren Entwicklungsprozeß durchgemacht. Mit manchen Jagdarten sind auch zugehörige Bräuche verschwunden (z.B. im Zusammenhang mit der Reit- und Meutejagd), andere haben sich nur in Resten erhalten. Mit dem Ausklang der Feudalherrschaft und dem Aufkommen der ´bürgerlichen Jagd´ nach der Revolution von 1848 ist der Großteil des früheren Brauchtums in Vergessenheit geraten. Weiter gepflegt wurde vor allem die Jägersprache.
Das Jagdhornblasen blieb fast nur innerhalb der staatlichen und großer privater Forstverwaltungen erhalten.
Eine Wiedergeburt erfuhr das jagdliche Brauchtum unter dem Jagdreichsgesetz 1934.In unserer Zeit sollten wir uns wieder mehr bemühen, diejenigen Bestandteile des Jägerbrauches zu pflegen, die aus alten Wurzeln die Achtung vor dem Wild als Mitgeschöpf ausdrücken und/oder die nach wie vor ihren jagdhandwerklichen Sinn haben.
Das jagdliche Brauchtum umfaßt einige ´Spezialthemen´.
Zum ersten die Jägersprache (Weidmannssprache). Sie ist die älteste Fach- und Sondersprache und als solche von allgemein kultureller Bedeutung. Sie umfaßt viele bildhafte Ausdrücke, die Besonderheiten im Körperbau und im Verhalten des Wildes anschaulich kennzeichnen (z.B.: die verschiedengeformten Ohren: Lauscher, Teller, Gehöre, Löffel oder die Schwänze: Wedel, Pürzel, Blume, Lunte; oder das Verhalten bei der Ernährung: äsen, verbeißen, schälen, brechen, reißen, schlagen, kröpfen).
Andere Ausdrücke beschreiben Tätigkeiten des Jägers bei der Ausübung der Jagd (verschiedene Jagdarten, Hundeführung, Schießen).
Jägerlatein ist etwas ganz anderes, nämlich das Erzählen von launigen Lügengeschichten und Übertreibungen (ähnlich dem Seemannsgarn), um andere zu unterhalten oder ihnen ´einen Bären aufzubinden´.
Zum zweiten sind da die Bruchzeichen.
Brüche sind abgebrochene Zweige von verschiedenen Baumarten, die als Markierungs- und Verständigungszeichen verwendet werden, um eine bestimmte Stelle (z.B. Anschuß) leichter wieder zu finden oder um anderen etwas mitzuteilen (z.B. Standplatzbruch, Wartebruch). Die Kenntnis dieser Bruchzeichen kann heute noch von praktischem Wert sein, auch wenn in vielen Fällen moderne Verständigungsmittel (schriftliche Notizen, Telefon, Funkgeräte) an ihre Stelle getreten sind.
Für uns mit am wichtigsten ist das Jagdhornblasen.
Jagdsignale wurden ursprünglich in einfacher Form auf dem Hifthorn geblasen, einem Instrument aus echtem Horn (Rinderhorn), später auf entsprechenden Metall- instrumenten. Aus den ursprünglichen einfachen Tönen wurden melodische Signalmelodien entwickelt. Seit der Feudalzeit wurde das Jagdhornblasen hauptsächlich von herrschaftlichen Berufsjägern und in der Staatsforstverwaltung gepflegt. In die private Jägerei eingeführt wurde es erst seit 1934. Der große Aufschwung kam dann nach dem 2.Weltkrieg. Heute hat fast jeder Jägerverein bzw. jede Kreisgruppe der Landesjagd- verbände ihre Bläsergruppe, geblasen wird zu vielen geselligen und festlichen Anlässen, Wettbewerbe werden durch geführt, und neben den herkömmlichen Jagdsignalen werden Fanfaren, Märsche und sonstige Jagdmusik geblasen.
Als eigentliches, in der praktischen Jagdausübung sinnvolles Brauchtum ist das Blasen von Jagdsignalen (Verständigungssignalen) auf Gesellschaftsjagden zu betrachten sowie das Verblasen (Ehrerbietung) von erlegtem Wild mit Totsignalen.
